Wearables – Zukunfts-Chance oder Risiko-Träger?

Wearables – Zukunfts-Chance oder Risiko-Träger?

2014 war das Jahr der Wearables. Die ganze Technikwelt scheint sich einig, dass mit der Einführung verschiedenster Smartwatches, der Google Glass und ähnlichen Produkten ein neues Zeitalter eingeleitet wurde.

"Google Glass photo" by Danlev - Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons - http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Google_Glass_photo.JPG#mediaviewer/File:Google_Glass_photo.JPG

„Google Glass photo“ by Danlev – Own work. Licensed under CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Google_Glass_photo.JPG#mediaviewer/File:Google_Glass_photo.JPG

Derzeit dominieren noch Fitnessarmbänder den Markt der Wearables. Diese Fusion zwischen Mensch und Maschine bringt einige Vorteile mit sich. Die in den Armbändern verbauten Sensoren erlauben es, eine Vielzahl an körperlichen Aktivitäten und Funktionen zu beobachten wie: die über den Tag verteilte Bewegung, den daraus resultierenden Kalorienverbrauch, die Herzschlagrate, die Dauer sowie die Qualität des Schlafes und vieles mehr. Die beliebtesten käuflichen Produkte der Kategorie „Mobile Health“ sind zurzeit Jawbone UP, Nike+ Fuelband und Fitbit Charge. Durch die bei manchen Produkten ständig aktive Kommunikation per Bluetooth mit dem eigenen Smartphone, werden die direkt am Körper erfassten Werte an eine vom Hersteller mitgelieferte APP übertragen. Dort werden diese Werte mit Hilfe von Texten und Grafiken erklärt sowie veranschaulicht. Der Anwender kann nun seine eigenen Gewohnheiten studieren, sich selbst besser kontrollieren, mit Freunden vergleichen und wird dadurch zu einer gesünderen Lebensweise mit vermehrter Bewegung motiviert. Fitnessarmbänder lassen sich in die Kategorie „Smart Clothing“ einreihen, wo Wissenschaftler derzeit noch an der Technik feilen, sodass Hightech-Textilien schon bald einer breiten Käufermasse zur Verfügung stehen. Skijacken mit eingebauten Navigationsgeräten, Reiterwesten mit Airbags oder Jogging-Anzüge, welche Atmung und Blutdruck überwachen, befinden sich derzeit noch im Entwicklungsstadium.

Andere Wearables, wie die Smartwatch, sehen sich selbst als Außenposten des Smartphones. Alltägliche Prozesse, wie das Entgegennehmen eines eingehenden Anrufes, können mittels Smartwatch beschleunigt werden. Durch sanftes Vibrieren wird der Träger darauf aufmerksam gemacht, dass er beispielsweise gerade eine SMS empfangen hat. Im Normalfall äußerst nützlich, birgt dieses Feature allerdings das Potenzial zu einem wahren Stressfaktor zu werden – als Ablenkung im betriebsamen Geschäftsalltag oder als Störfaktor beim romantischen Rendezvous zu zweit. Der eine schätzt diese sanfte Ablenkung, der andere verflucht sie und somit bleibt die Frage offen, ob diese Ablenkung nun positiv oder negativ bewertet werden soll.

Den Alltag von Millionen kranker Menschen könnte zuverlässige Sensortechnik definitiv erleichtern. Im medizinischen Einsatz könnte so bald die Blutzuckermessung bei Diabetes-Patienten vereinfacht werden. Anstatt des schmerzhaften Einstichs bei jeder Messung müsse laut Forschern lediglich einmal ein biochemischer Messfühler im Körper implantiert werden, welcher direkt eine permanente Messung des Blutzuckerspiegels sicherstellt. An weiteren Sensoren, wie Pflaster im Bereich der automatischen Gesundheitsdatenüberwachung, wird noch intensiv geforscht.

Das bekannteste Wearable ist eindeutig die Google Glass, denn mit der Erfindung der Google Glass wurde ein riesiger Meilenstein in Sachen erweiterter Realität („Augmented Reality“) geschaffen. Die aufsehenerregende Errungenschaft blendet dem Nutzer Zusatzinformationen zur Umgebung bzw. aktuelle Nachrichten und Informationen in Echtzeit innerhalb des Sichtfeldes des menschlichen Auges ein. Dabei wird das reguläre Sichtfeld allerdings nicht gestört, vielmehr muss man aktuell noch aktiv in das kleine Display der Brille blicken. Während einer Unterhaltung unauffällig im Facebook-Profil des direkten Gegenübers zu stöbern ist damit aktuell noch nicht möglich. Die Glass wird via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden und unterstützt die gängigen Google-Apps wie Maps, Suche und Hangouts. Über Gesten- und Sprachsteuerung wird dann direkt darauf zugegriffen. Der durch diese neue Art der Bedienung nicht abstreitbare Pragmatismus erklärt sich am besten durch das folgende Video:

Dass sich mit einer eingebauten Kamera auch heimlich Fotos und Videos aufnehmen lassen, hat eine Welle der Empörung unter Datenschützern ausgelöst. Dabei ist, laut Datenschützern, der endgültige Verlust der Anonymität und die Geburt des gläsernen Menschen vorprogrammiert. Gesprochene Worte, die bisher nur in vagen Konversationsfetzen im Gedächtnis des Gesprächspartners hängen geblieben sind, werden dank Cloud-Services schon bald auf den Servern und Recheneinheiten des amerikanischen Silicon Valley oder anderen gigantischen Serverfarmern ihren Platz finden.

Diese und viele andere Gründe bestätigen mir, dass die Tragweite der Google Glass zu groß ist und bei der Beurteilung nicht nur die Chancen, sondern auch die Risiken zu betrachten sind. Mein Fazit zu Wearables ist daher, dass es keinen Vorteil ohne Nachteil und keinen Nachteil ohne Vorteil gibt. 2014 war erst der Anfang – was noch kommt und wie wir es verwenden werden, ist mit Spannung abzuwarten!

2 Kommentare

  • Ich habe dazu einen Buchtipp: Roman „Zero“ von Mark Elsberg

    Und … die meisten Datenbrillen gibt es derzeit nur als Prototypen, daher ist eine Einschätzung über deren Akzeptanz noch recht schwer zu treffen. Eine ausgewogene Betrachtung der Chancen und Risiken ist aber jedenfalls angebracht. Bei der Google Glass ist das Explorer Programm zwar beendet, aber man darf damit rechnen, dass es früher oder später eine neue, dann marktreife Version davon geben wird.

    Meiner Einschätzung nach werden sich Datenbrillen zunächst in klar abgegrenzten Nutzungsszenarien durchsetzen, wenn sie echten Mehrwert bieten.

    Wer jetzt schon eine marktreife Datenbrille ausprobieren will, als Skibrille gibt’s das schon: http://www.evolaris.net/product/smartskigoggles

  • Vielen Dank für den Buchtipp und deine interessanten Gedanken zum Artikel!

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