Sinnvolle Einsatzszenarien für Location Based Services

Sinnvolle Einsatzszenarien für Location Based Services

Man steht früh morgens auf um in die Arbeit zu fahren, da meldet das Smartphone plötzlich von sich aus, dass auf dem Arbeitsweg ein Stau ist und schlägt direkt eine Alternativroute vor. Zudem zeigt es einem das aktuelle Wetter, Sehenswürdigkeiten in der Nähe und wo man sein Fahrzeug abgestellt hat. Dieses Szenario ist längst keine Science Fiction Zukunftsvision mehr, sondern pure Realität. Wer ein neueres Android Smartphone besitzt, wird diese Services selbst schon bemerkt haben – man braucht sie nicht einmal zu konfigurieren, das geschieht alles automatisch. Manche finden diese Services sehr praktisch, andere eher beängstigend, denn man wird zum gläsernen Menschen. Welche Einsatzszenarien gibt es für so genannte Location Based Services (Standortbezogene Dienste), und welche davon sind wirklich sinnvoll?

Positionsbestimmung

Um die Position eines Smartphones und somit die des Nutzers zu bestimmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Die bekannteste Methode dürfte das GPS (Global Positioning System) sein, welches in den 70er Jahren vom US-Verteidigungsministerium entwickelt wurde. Zur Positionsbestimmung nutzt GPS 24 Satelliten, die die Erde umkreisen. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich an jedem Ort mindestens 4 Satelliten in Reichweite, sofern man Hindernisse wie Berge, Wälder, Gebäude oder Schluchten außer Acht lässt. Genau diese Hindernisse sind jedoch der Nachteil von GPS, da eine Positionsbestimmung nur auf freier Fläche sehr präzise ist, nicht jedoch in Städten oder Wäldern. Die Position wird über die Distanz zu den Satelliten ermittelt, diese wird über die Zeitdifferenz zwischen dem Senden und wieder Empfangen eines Signals bestimmt. Das russische System GLONASS, das nach demselben Prinzip funktioniert, kann von einigen neueren Smartphones ebenfalls bereits genutzt werden. Die EU baut derzeit das Satellitensystem Galileo auf, China das System Beidou; beide sollen circa im Jahr 2020 den Regelbetrieb aufnehmen.

Aus den Distanzen gebildete Kugelflächen werden miteinander geschnitten, um die Position des Geräts zu bestimmen.

Aus den Distanzen gebildete Kugelflächen werden miteinander geschnitten, um die Position des Geräts zu bestimmen.
Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:GPS_Spheres.svg

Auch über GSM (Global System for Mobile Communication), also über das Mobilfunknetz, kann die Position eines Smartphones bestimmt werden. Dazu wird betrachtet, in welcher Mobilfunk-Zelle sich das Gerät befindet (Cell-Of-Origin Verfahren), die Position kann zusätzlich über die Zellsektorisierung (Richtung des Signals) und Signalstärkemessung genauer bestimmt werden.

Das Geotargeting bedient sich der IP-Adresse und der schnurlosen Netzwerke (WLAN) in Reichweite des Geräts. Über Datenbanken, in denen die Standorte gespeichert sind, kann damit ebenfalls – vor allem in Städten – die Position des Geräts ermittelt werden.

Smartphones arbeiten meist mit einer Kombination aus den oben genannten Möglichkeiten und können somit die Position des Geräts fast überall relativ genau bestimmen. Es gibt auch andere Möglichkeiten zur Indoor Positionsbestimmung, beispielsweise über Bluetooth oder Infrarot, die jedoch keine flächendeckende Positionsbestimmung zulassen. Solche Systeme kommen vor allem in der Industrie zum Einsatz, sind aber auch bei Anwendungen wie zum Beispiel einem Museumsführer denkbar.

Manche Anwendungen (z. B. Foursquare) erlauben zudem ein „Self-reported positioning“, bei dem der Nutzer selbst auf einer Karte angibt, wo er sich gerade befindet.

Standortbezogene Dienste

Je nach Anwendung können reaktive oder proaktive Dienste genutzt werden. Bei reaktiven Diensten wird der Service explizit angefordert (um zum Beispiel interessante Punkte in der Nähe zu finden), bei einem proaktiven Dienst wird auf das Betreten oder Verlassen einer Region reagiert. Diese Technik wird auch Geofencing genannt (mehr dazu im Hauptartikel zu Geofencing).

Standortbezogene Dienste werden in einer Vielzahl von Anwendungen benutzt – oft ohne, dass der Endnutzer es mitbekommt oder explizit wünscht. Von Google und Apple gibt es Dienste, die automatisch den schnellsten Weg zur Arbeit, nach Hause, zu häufig besuchten Orten oder zu kürzlich getätigten Suchanfragen anzeigen. Es werden sehenswerte Orte in der Nähe vorgeschlagen, Wetter und Uhrzeit werden für den aktuellen Aufenthaltsort angezeigt. Selbst die ungefähre Position, an der man sein Fahrzeug abgestellt hat, wird einem angezeigt – alles automatisch.

Wetter, Parkplatz und Fahrzeit bis nach Hause angezeigt auf einem Android Device.

Screenshot: Wetter, Parkplatz und Fahrzeit bis nach Hause angezeigt auf einem Android Device

Weitere Einsatzmöglichkeiten sind das Finden von interessanten oder nützlichen Orten (zum Beispiel beim Filialfinder in mobile-pocket), zur Navigation (zum Beispiel mit OsmAnd oder Google Maps), zur Warnung vor Staus, zum Aufspüren von Personen oder gestohlenen Geräten (wer ein Android Smartphone besitzt kann sein Gerät über den Browser orten lassen), um dem Nutzer ortsbezogene Werbung anzuzeigen und zur Routen- und Zeitaufzeichnung in Sport Anwendungen. Ein weiterer Einsatzbereich sind standortbezogene Spiele, welche sich  hauptsächlich in die Kategorien Schnitzeljagden (zum Beispiel Geocaching, Wherigo) und Gebietskämpfe (zum Beispiel Ingress, Parallel Kingdom) aufteilen.

Nachteile und Gefahren von Standortbezogenen Diensten

Ein großer Nachteil von Standortbezogenen Diensten ist jedoch der Stromverbrauch am Gerät, vor allem wenn GPS aktiviert ist. Zudem sammeln viele Anwendungen auch die Positionsdaten zu eigenen Zwecken. Ob der Nutzer das hinnehmen möchte, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die von Google gesammelten Positionsdaten kann man übrigens auf https://maps.google.com/locationhistory/b/0 selbst einsehen. Ein Vorteil daraus ist beispielsweise die live Stau Anzeige auf den Karten von Google, die nur durch das ständige Sammeln von Daten möglich ist. Man sollte jedoch auch nicht ganz unbedacht die Nutzung der Standortdaten erlauben, denn häufig werden diese unbewusst an andere Nutzer weitergegeben, so zum Beispiel beim Facebook-Messenger, wenn man es nicht in den Einstellungen global oder bei jeder Konversation einzeln deaktiviert. So können dritte einfach erfahren, wo man sich gerade aufhält, ob man zum Beispiel gerade zu Hause ist oder nicht.

Fazit

Welche der Einsatzmöglichkeiten von Location Based Services sinnvoll sind, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden. Beim Installieren oder Nutzen von Anwendungen sollte man jedenfalls gut darüber nachdenken, ob man die Nutzung der Positionsdaten erlauben möchte und wofür die Anwendung der Position möglicherweise bestimmt ist.

Man sollte gut überlegen, ob man einer Anwendung den Zugriff auf den Standort erlaubt - lässt man es einmal zu, so hat die Anwendung immer Zugriff darauf.

Screenshot: Man sollte gut überlegen, ob man einer Anwendung den Zugriff auf den Standort erlaubt – lässt man es einmal zu, so hat die Anwendung immer Zugriff darauf

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