Web-Apps – Wann ist ihr Einsatz eigentlich sinnvoll?

Web-Apps – Wann ist ihr Einsatz eigentlich sinnvoll?

Wünschen Kunden die Implementierung einer Applikation, sind sie zu Beginn häufig mit der Frage konfrontiert, ob eine Web-App erstellt oder eine native Implementierung durchgeführt werden soll. Aus Erfahrung lässt sich sagen, dass die meisten Kunden zunächst zu einer Web-Lösung tendieren. Grund hierfür ist die kostengünstigere Entwicklung für jenen Fall, bei dem mehrere Plattformen gleichzeitig angesprochen werden sollen.

Die Entwicklung einer Web-App ist etwa der 1,6-fache Aufwand der Entwicklung einer nativen Plattform. Möchte man also beispielsweise jeweils eine App für iOS und Android entwickeln, so liegt die Kostenersparnis bei 20%. Vorgerechnet bedeutet dies: Eine App nativ für zwei Plattformen zu implementieren, ist logischerweise der 2-fache Aufwand der Implementierung für nur eine Plattform. Der Unterschied zu einer Web-App, die den 1,6-fachen Aufwand einer nativen Implementierung bedeutet, beträgt also 0,4. Das ist ein Fünftel des Aufwandes für zwei native Implementierungen, die Aufwandsersparnis beträgt demnach 20%. Dies wiederum kann gleichgesetzt werden mit einer Kostenersparnis des gleichen Prozentsatzes.

Je mehr Plattformen abgedeckt werden sollen, umso höher wird hier die Ersparnis. Für 3 Plattformen also knapp 50% Kosten- sowie Zeitersparnis, für 4 Plattformen sind es schon 60%.

Auf den ersten Blick mag dies verlockend erscheinen, doch es dürfen keinesfalls die Nachteile übersehen werden, welche mit einer Web-App einhergehen.

Zwar ermöglichen es Frameworks wie Kendo Mobile UI, dass sich eine Web-App automatisch an das gewohnte Verhalten und Aussehen der jeweiligen Plattform anpasst, solche Frameworks sind aber nicht kostenlos. Hinzu kommt das Problem, dass die Performance dieser Frameworks nicht an das native Verhalten heranreicht. Weitere Nachteile sind, dass Animationen und das Scrollen von Listen ruckeln sowie Benutzereingaben verzögert ausgeführt werden können. Vor allem die Endkunden reagieren sehr empfindlich darauf, wenn eine Web-App nicht die gewohnte Performance einer nativen App bietet. Im schlimmsten Fall schreiben die App-User überschnell negative Rezensionen.

Paradebeispiele für gescheiterte Web-Apps sind die früheren Web-Apps von „Die Zeit“ und „Facebook“. Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, meinte hierzu: „The biggest mistake we made as a company was betting too much on HTML5 as opposed to native“.

Play Store Bewertung "Die Zeit"

Screenshot: Play Store Bewertung „Die Zeit“

Werden Hardwarefunktionen in der Web-App benötigt, so muss darauf vertraut werden, dass diese durch PhoneGap und diverse Plugins angeboten werden. Ist dies nicht der Fall, so ist der anfangs niedrig geschätzte Entwicklungsaufwand plötzlich stark erhöht, da erst eine Brücke zur Hardwarefunktionalität implementiert werden muss. Außerdem ist man mit den verschiedensten mobilen Browsern und Browserversionen konfrontiert, was die Entwicklung deutlich erschwert, den Testaufwand stark erhöht und somit die Kosten bedeutend steigert.

Also wann ist eine Web-App sinnvoll?

Der größte Vorteil einer Web-App ist die Kostenersparnis, vor allem wenn eine App für mehr als zwei Plattformen implementiert werden soll.

Wenn die Web-App kaum mehr Inhalt als die „responsive“ Website bietet und im Idealfall nach dem Mobile-First-Prinzip implementiert ist, so ist der Entwicklungsaufwand wesentlich geringer, da viele Elemente übernommen werden können.

Wenn weniger die App an sich, sondern der Informationsgehalt im Vordergrund steht, so kann eine Web-App ebenfalls erfolgreich sein. Ein Paradebeispiel dafür wäre die „Pollen„-App.

Enterprise-Anwendungen, bei denen die Zielplattform möglicherweise noch nicht bekannt ist oder die sich in Zukunft ändern könnte, können ebenfalls von der Entwicklung einer Web-App profitieren.

Fazit

Die Entscheidung zur Implementierung einer Web-App sollte nicht alleine anhand der Entwicklungskosten getroffen werden. Hierbei werden nämlich leicht die späteren Folgen, beispielsweise die negative Reaktion der Endbenutzer aufgrund von Nachteilen in der Performance übersehen. Es sollte genau bedacht werden, welche Folgen die Entscheidung mit sich bringt, eine Beratung von Entwicklungs-Experten ist auf jeden Fall empfehlenswert. Unter expertenteam@bluesource.at können Sie sich gerne an uns wenden.

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